Sie kennen diese Unterhaltung,die in der Form eigentlich nur zwischen den Geschlechtern
ablaufen kann? Man(n) macht irgendwann vorschnell eine etwas unbedachte Bemerkung
und Frau nutzt später jede passende und unpassende Gelegenheit, um ihrem
gesetzlichen
Glück diese Bemerkung immer wieder mehr oder weniger elegant hinzureiben
und genießt den triumphalen Moment, wenn man(n) dann prompt die Augen
verdreht und ein genervtes "jaja" von
sich gibt.
Ich bekenne mich schuldig, auch ich habe dieses Spielchen getrieben. Zwar nur
in einem Fall, aber da dafür sehr ausdauernd: rund zwanzig Jahre, wann immer
die Sprache auf Plantagines+C kam, holte ich tief Luft und bemerkte spitz: „nun,
der Sch....., wer hätte das gedacht“. Aber
ich sollte die Geschichte vom Anfang erzählen. Langjährige Kunden kennen
bereits einen Teil: Etliche unserer Produkte haben eine sehr persönliche
Geschichte, die (wie könnte es anders sein) eng mit dem persönlichen
Schicksal eines Pferdes verbunden ist. Plantagines müsste eigentlich Corry
heißen.
Corry war eine Trakehnerstute
und als sich unsere Wege kreuzten, war sie
1.
tragend
2.
zaundürr
3.
auf einem Auge blind
4.
schwer chronisch lungenkrank und
5.
schlug sie gezielt aus.
Kurzum, ein Pferd so ganz nach meinem Herzen und schon hatte ich sie gekauft.
Sie war eine ganz große Persönlichkeit, wir kamen wunderbar miteinander
aus, sie nahm zu, der Schmied kam
überraschenderweise beim ersten Ausschneiden mit dem Leben davon, ihre chronische
Bronchitis hatten wir mit den üblichen medizinischen Maßnahmen relativ
gut im Griff und sie brachte nach einigen Monaten ein sehr typvolles, todschickes
Fohlen mit richtig viel Tritt auf die Welt. Nur nasses Heu, das wollte sie nicht
fressen. Unnachahmlich, mit welch energischem Hieb eines Vorderhufes sie nasses
Heu mit einem Schlag in der gesamten Box verteilte, um es anschließend in der
trockenen Einstreu festzutrampeln, so dass wir die gesamte Box ausräumen
konnten. Sie wusste immer schon etwas genauer als die anderen Pferde, was sie
wollte. Ohne Heu ging es aber auch nicht, die Dame hatte ein empfindliches Verdauungssystem.
Die Gelegenheit für mich zu lernen:
1.
woran man gutes Heu erkennt
2.
Lieferanten eiskalt vom Hof zu schicken, wenn die Qualität nicht ausreichte
und
3.
alle damals zur Verfügung stehenden medizinischen Maßnahmen für Pferde
mit einer chronisch obstruktiven Bronchitis anzuwenden.
Zwei Jahre war die Welt in Ordnung, doch urplötzlich,buchstäblich innerhalb
weniger
Tage brach unsere heile Welt zusammen, Corry stand pumpend in der Box. Aus ihrem
einen Auge, das soviel Ausdruck hatte, schaute die nackte Angst vor dem Ersticken,
sie legte sich nicht mehr hin und ich litt mit ihr und unter diesem „hilfmirdochendlich-Blick“.
Ihre Lunge war diesmal komplett dicht und ihre Herzkammer, die schon so viele
Jahre gegen den Widerstand in der Lunge angekämpft hatte, war noch größer
geworden, eine erneute Lungenwäschekam nicht in Frage, ich wollte sie nur
noch schnell erlösen. Corry war, wie alle unsere Pferde, ein Familienmitglied,
noch dazu ein besonderes, also informierte ich den Rest der Familie darüber,
dass wir Abschied von ihr nehmen müssten. Nach meiner Erfahrung gibt es
zwei Sorten von Müttern:
die einen sind von den Fähigkeiten ihrer Kinder mehr als nur überzeugt,
die anderen
würden selbst die Vergabe des Nobelpreises an eines ihrer Kinder als Fehlurteil
der Kommission ansehen. Meine Mutter, selbst eine außerordentlich tüchtige
Frau, gehörte eindeutig zur letzteren Gruppe, und hielt prompt nicht mit
der Frage hinter dem Berg, wozu sie mich eigentlich habe studieren lassen. Auf
meinen schwach gestammelten Einwand, ich hätte nun schließlich über die
Jahre nach den Regeln der erlernten Medizin das Pferd doch ganz gut beschwerdefrei
gehalten, entgegnete sie nur, ein Studium solle doch wohl nicht nur Handwerk
vermittelt, sondern letztendlich auch den Geist für innovatives Denken geschult
haben. Das saß, ich wurde innovativ tätig. Die Chinesen behandeln außerordentlich
erfolgreich
Krankheiten mit Kräutern, davon hatte ich gehört, und einem mir bekannten
Professor,
der über extremes Kräuterwissen verfügte, danke ich posthum an dieser
Stelle für seine Geduld bei meinen tausend Fragen (auch nachts!!). So entstand
der Prototyp von Plantagines. Es half zu meiner eigenen Überraschung (als
traditionell ausgebildeter Schulmediziner der damaligen Zeit, hielt ich Kräuter
allenfalls als zum Würzen geeignet) tatsächlich, Corrys Atemfrequenz sank,
sie pumpte nicht mehr, der schmerzhafte, hauchende und gequälte Husten wich
einem kräftigen Abhusten,
bei dem Unmengen an Schleim mit ausgehustet wurden. Nach mehrmaligem Verbessern
der Rezeptur war es fertig, unser heutiges Plantagines+C. Corry lebte noch Jahre
völlig
beschwerdefrei. Beflügelt von
dem selbst beobachteten Erfolg schlug ich im Hause vor, Plantagines als Produkt
dem Markt zur Verfügung zu stellen, muss aber wohl einen schlechten Tag erwischt
haben, denn mein gesetzliches Glück runzelte nur die Stirn
und meinte “wer braucht denn den Sch...“? Das saß auch.
Die iWEST® steckte damals noch in den Kinderschuhen, Magnolythe S100 hatte
uns eine schnelle Akzeptanz auf dem Markt verschafft und der Herr des Hauses
hätte
wohl lieber ein weiteres Sportpferdeprodukt gesehen, als ausgerechnet Kräuter
für hustende und lungenkranke Pferde. Nun, er ergab sich dann doch und Plantagines
wurde unser
„zweites Kind der iWEST®“.
Zwischenzeitlich wurden viele, unendlich viele Tonnen davon hergestellt, denn
unser Plantagines+C hat (und tut es heute noch mit großemErfolg, wie uns immer
wieder dankbare Kunden berichten) unzähligen Pferden mit akuten und ganz
besonders auch mit schweren chronischen Erkrankungen der Atemwege zur Gesundung
oder zumindest
einem beschwerdefreien Leben verholfen. Unzählige Kundenschreiben erreichten
uns, und selbst die Kollegen setzen Plantagines+C gerne bei ihren Hustenpatienten
ein. Und ich ließ, wie gesagt, keine Gelegenheit aus, um meinen Triumph laut
und vernehmlich, wann immer die Sprache darauf kam, unaufgefordert hinauszuschmettern.
Es war ja auch mein einziger, denn mein Mann sagte nie mehr über eine
Neuentwicklung „wer braucht denn den Sch...“.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Bemerkungen einer nachtragenden
Frau zu unterbinden, mein Mann hatte einen ganz besonderen Einfall:
Plantagines+C
Award
und der ist auch noch richtig schön, viel, viel schöner als ein Oskar
oder ein Bambi! Ein vergoldetes Sträußchen im Produkt enthaltener Kräuter
trägt
auf seinen Stengelchen jeweils ein vergoldetes Pellet Plantagines+C. Und
jetzt gebe ich Ruhe, versprochen.
Dr. med. vet. Dorothe Meyer