Tiergeschichten

 

Hier spricht der Tierpsychologe

„Sollen Hunde fernsehen?“

Eine Frage, deren Beantwortung längst überfällig ist. Täglich stehen Millionen von Hundehalter völlig hilflos ohne fachlich qualifizierter Beratung vor dem Problem: soll er / sie nun, oder besser doch nicht. Nach jahrelangem Zusammentragen eines umfangreichen Datenmaterials und anschließend gewissenhafter statistischer Auswertung hat unser sozialpsychologischer Dienst eine Studie erarbeitet, die wir Ihnen erfreulicherweise endlich vorstellen können.

Die Fragestellung musste insofern außerordentlich komplex bearbeitet werden, als die unterschiedlichen Naturelle und Interessenslagen der einzelnen Hunderassen eine übergroße Vielfalt an Reaktionen auf gleiche Sendungen ergab. In einem Punkt herrscht völlige Klarheit: Politische Sendungen sind für Hunde absolut ungeeignet und sollten auf jeden Fall sofort abgeschaltet werden. Schwarze Königspudel sind ebensowenig in der Lage, unserem Finanzminister zu lauschen, wie der rote Gebirgsschweißhund Meldungen aus den oppositionellen Reihen vertragen kann. Unabhängig von Farbe, Rasse und Haarkleid zeigen alle Hunde nach politischen Sendungen schwere traumatische Folgen.

Hierzu einige Beispiel: Ein Düsseldorfer Bernhardiner litt noch zwei Wochen nach der Übertragung einer Bundestagssitzung unter Schwindel und Schluckauf. Ein Pekinese aus Hamburg gar leidet seit der Übertragung der Haushaltsdebatte an Atemnot, Ohrensausen, Stottern und Heißhunger auf Sahnetorte nebst den bei politischen Sendungen stets zu beobachtenden langanhaltenden Schwindelgefühlen. Wegen dieser gravierenden gesundheitlichen Schäden sollte ein Hundebesitzer dem Drängen seines vierbeinigen Freundes auf das Ansehen politischer Sendungen in keinem Fall nachgeben. Aber auch Schreinemakers oder die Late Night Show führt bei der Mehrzahl von Hunden in der darauffolgenden Nacht zu Schlafstörungen, Weinkrämpfen und tagelangem Stottern. Insbesondere Terrier scheinen dafür eine besondere Labilität aufzuweisen, wohingegen zu beobachten war, dass sie bei Betrachten von Tom und Jerry im Kinderprogramm in lebhaftes fröhliches Bellen ausbrachen und voller Tatendrang, heiter, lustig und unbeschwert die auf der Couch befindlichen Kissen zerfetzten.

Es gibt also auch für Hunde durchaus verträgliche Sendungen. Für Schäferhunde sind Kriminalfilme in ARD oder ZDF durchaus anregende und pädagogisch wertvolle Sendungen. Kommisar Rex, so eine neuere interessante Mitteilung, kommt bei Hunden allgemein nicht nur gut an, sondern stärkt geradezu ungemein Verantwortungs- und Selbstbewusstsein, insbesondere bei Zwergpudeln und Yorkshires. Z.B. unterließ „Kokettchen v.d. Hofburg“ aus Wien nach Genuss von nur einer Folge des Kommisar Rex ihr vorher vertraulich kumpelhaftes Ablecken des Briefträgers. Dieses monumental positive Ergebnis wird allerdings dadurch relativiert, als „Kokettchen“ nunmehr beim zweimaligen großen Gassigehen des Tages ausschließlich geschminkt und frisch gebürstet (wie der Hauptdarsteller) das Haus verlassen will.

Nicht so unumstritten positiv ist dagegen die psychische Beeinflussung durch die härteren Krimis auf den privaten Kanälen nach 20 Uhr. Ein Rottweiler geriet hierbei beispielsweise in derart ungesunde Anspannung, dass er seinen Besitzer zunächst schroff von der gemeinsam genutzten Couch wies und beim Anblick des barbusigen Opfers schließlich so mitgenommen war, dass er beim Versuch des in seinen Augen notwendigen und längst überfälligen Eingreifens die Bildröhre zerstörte.

Ganz abzulehnen ist die Installation eines Zweitgerätes für das Hundebett. Das Tier vereinsamt, spricht im Schlaf und leidet unter schweren Träumen, ist unserer Studie zu entnehmen. Fernsehen also prinzipiell nur gemeinsam und unter der Prämisse einer verantwortungsvollen Programmauswahl. Leider wird dem Hundehalter die Auswahl der Sendungen nicht leicht gemacht, fehlen in den Programmzeitschriften doch bisher jegliche Hinweise darüber, welche Sendungen für welche Hunde als geeignet anzusehen sind. Wir können Ihnen durch unsere Studie insofern eine erste Hilfestellung anbieten, als langhaarige, mittelgroße Hunde eher mit den Sendungen in ARD, ZDF und Regionalprogrammen bis 21 Uhr zurechtzukommen scheinen, kurzhaarige, dicke dagegen eher mit den traditionellen Kinderprogrammen. Das heißt natürlich nicht, dass nicht auch langhaarige Hunde Kinderprogamme sehen dürfen, denken wir hier nur an Lassie, eine Sendung, die eigentlich bei allen Hunden beliebt ist, lediglich auf Jack Russells und Bulldoggen enervierend wirken kann. Nachdenklich stimmt, dass spezielle Interessen von immerhin mehreren Millionen Hunden von sämtlichen Sendern bis heute total ignoriert werden.

So sind archäologische Beiträge in den Programmen aller Sender bis heute völlig unterrepräsentiert. Derartige Sendungen als Anleitung für das systematische Suchen und Wiederauffinden vergrabener Knochen in Haus und Garten müssen deshalb (notfalls über einen Dringlichkeitsantrag auf politischem Wege) zumindest bei den öffentlichrechtlichen Anstalten zukünftig vermehrt berücksichtigt werden, Die Tatsache, dass besorgte Elternstimmen zur Programmgestaltung am Nachmittag und Vorabend bisher überhört wurden, sollte uns bei diesem Vorhaben nicht entmutigen. Ein Kampfhund an der Leine wirkt mit Sicherheit argumentativ überzeugender als ein Kind an der Hand.
Dr.D.M.